EARLI SIG 15 (Helsinki, Finnland)
Vom 17. bis 19. August 2026 fand in Helsinki die Konferenz der EARLI Special Interest Group 15 – Special Educational Needs (Link zur Konferenzhomepage) statt. Im Symposium „Advancing Language Assessment and Professional Practice in Speech and Language Education“ wurden vier komplementäre Perspektiven auf Sprachdiagnostik und sprachliche Förderung in inklusiven Bildungskontexten zusammengeführt.
Jun.-Prof. Dr. Jana Jungjohann vom Fachgebiet Digitale Förderung und inklusive Bildung der TU Dortmund stellte in ihrem Beitrag „Bridging developmental language disorders and learning disabilities via digital and Rasch-scaled CBM for assessing oral language comprehension“ aktuelle Ergebnisse zur digitalen Erfassung des rezeptiven grammatischen Sprachverständnisses vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie das digitale Testverfahren SpraVesT mithilfe von Rasch-Skalierung eine gemeinsame diagnostische Grundlage für Schüler:innen mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen im Schwerpunkt Sprache und Lernen schaffen kann. Dr. Isabel Neitzel von der TU Dortmund widmete sich in ihrem Beitrag dem Dynamic Assessment und dessen Potenzial für eine stärker lernprozessbezogene Sprachdiagnostik.
Prof. Dr. Anja Starke und Dr. Katharina Hoge von der Universität Bremen richteten den Blick anschließend auf die schulische Praxis. Prof. Anja Starke präsentierte Ergebnisse zur multiprofessionellen diagnostischen Urteilsbildung in inklusiven Schulen und diskutierten, wie unterschiedliche professionelle Perspektiven bei der Interpretation sprachbezogener Lernbedarfe zusammengeführt werden. In einem weiteren Beitrag zeigte dann Dr. Katharina Hoge sie, welche Bedeutung universelle sprachunterstützende Interaktionsstrategien als Grundlage für inklusiven Unterricht und die Professionalisierung angehender Lehrkräfte haben.
In der gemeinsamen Diskussion wurde deutlich, dass eine inklusive Sprachförderung nicht allein auf einzelnen diagnostischen Verfahren beruht. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel von psychometrisch fundierter Diagnostik, dynamischen diagnostischen Ansätzen, multiprofessioneller Zusammenarbeit und sprachunterstützender Unterrichtsgestaltung.


