Grazer Grundschulkongress 2026
Vom 6. bis 8. Juli 2026 fand in Graz der Grazer Grundschulkongress unter dem Leitthema „B³: Beobachten – Beurteilen – Befähigen“ statt. Der Kongress brachte aktuelle Forschung und Konzepte zur Weiterentwicklung der Primarstufe zusammen und rückte dabei unter anderem die Frage in den Mittelpunkt, wie diagnostische Verfahren und Förderansätze angesichts heterogener Lernvoraussetzungen weiterentwickelt werden können.
Im Symposium „Von der Beobachtung zur Befähigung: Innovative Wege in der Lesediagnostik und -förderung“ kamen Perspektiven aus verschiedenen Hochschulen und Fachbereichen zusammen. Geleitet wurde das Symposium von Lisa Paleczek vom Institut für Bildungsforschung und PädagogInnenbildung der Universität Graz, Arbeitsbereich Inklusive Bildung und Heilpädagogische Psychologie. Susanne Seifert, ebenfalls aus diesem Arbeitsbereich der Universität Graz, begleitete das Symposium als Diskutantin.
Jana Jungjohann vom Fachgebiet Digitale Förderung und inklusive Bildung der Fakultät Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund eröffnete das Symposium mit dem Vortrag „Open Educational Practice trifft digitale Förderdiagnostik: Ko-kreative Entwicklung interaktiver OER-Tools für die Leseförderung“. Im Mittelpunkt stand die Verbindung von digitaler Förderdiagnostik, offenen Bildungsmaterialien und ko-kreativen Entwicklungsprozessen. An Beispielen aus Levumi.de wurden offene Lernverlaufstests, Fördermaterialien und interaktive OER vorgestellt, die für die schulische Praxis frei zugänglich und adaptierbar sind.
Ein zweiter Beitrag widmete sich unter dem Titel „Ohne Sprachverständnis kein Leseverständnis“ der Identifikation rezeptiver Grammatikschwierigkeiten in der Schuleingangsphase. Die daran beteiligten Forscherinnen verbinden Expertise aus der Universität Graz, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Paderborn: Neben Lisa Paleczek und Susanne Seifert forschen Juliane Augustin am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Pädagogik bei Beeinträchtigung der Sprache und Kommunikation sowie Franziska Viertel am Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn im Bereich Germanistische und Allgemeine Sprachwissenschaft. Gemeinsam richten sie den Blick auf sprachliche Voraussetzungen des Leseverstehens und deren diagnostische Erfassung.
Mit Fabian Feyertag von der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum wurde anschließend die konkrete Gestaltung differenzierter Leseförderung in der Primarstufe aufgegriffen. Sein Fachbereich Sprache & Literalität verbindet Fragen des Lesens und sprachlichen Lernens mit schulischer Unterrichtsentwicklung. Der vorgestellte Mixed-Method-Beitrag untersuchte das Zusammenspiel von Differenzierung, evidenzbasierten Ansätzen und digitalen Medien in der Leseförderung.
Den Abschluss bildete ein Beitrag zur Professionalisierung von Lehrkräften für digitale Lesediagnostik und -förderung. Elisabeth Herunter vom Institut für Elementar- und Primarpädagogik der Pädagogischen Hochschule Steiermark, dort im Bereich Sprachliche Bildung und Koordinationsstelle Lesen, stellte gemeinsam mit Susanne Seifert eine Design-Based-Research-basierte Fortbildungsreihe vor und richtete damit den Blick auf die Umsetzung diagnostischer und förderbezogener Konzepte in der schulischen Praxis.
In der gemeinsamen Diskussion wurden damit unterschiedliche Ebenen einer evidenzbasierten Leseförderung zusammengeführt: sprachliche Lernvoraussetzungen, diagnostische Instrumente, differenzierte Förderansätze, digitale und offene Bildungsressourcen sowie die Professionalisierung von Lehrkräften. Das Symposium zeigte, wie eng Beobachten, Beurteilen und Befähigen zusammengedacht werden müssen, wenn Lesediagnostik nicht bei der Feststellung von Lernständen stehen bleibt, sondern unmittelbar zur Gestaltung passender Lern- und Förderangebote beitragen soll.


